In Brasilien gibt es vor allem kleine, von Familien betriebenen Höfe, die unter etwa 10 ha groß sind und nur über wenig modernes Werkzeug oder moderne Annehmlichkeiten verfügen. Sie stellen 51 Prozent des gesamten brasilianischen landwirtschaftlich genutzten Landbesitzes dar und umfassen doch nicht einmal 4 Prozent des gesamten Farmlands. Das meiste Land gehört Großgrundbesitzern. Die Grundbesitzer mit den größten Ländereien - über 1.000 ha - machen nicht einmal 1 Prozent aller Landbesitzer aus, und doch halten sie 39 Prozent des Farmlands Brasiliens. Die Eigentümer dieser riesigen Güter leben oft vornehm in den Städten, besuchen ihre Landsitze mit dem Privatflugzeug und überlassen die Tagesgeschäfte einem Verwalter. Große Teile ihrer Ländereien werden nicht genutzt und liegen brach.

Die in Brasilien häufig vorkommenden mittelgroßen Farmen liegen vor allem im Bundesstaat São Paulo und in den Staaten der südlichen Region. Das kommt daher, daß man diese kühleren Landstriche zunächst nicht als wertvoll genug erachtete, um Anspruch auf sie zu erheben, bis die Nordeuropäer Ende des 19. Jahrhunderts sich allmählich auf ihnen niederließen. In der heutigen Grenzregion am Südrand des Amazonasbeckens liegt die Situation anders. Dieses Land wurde schon seit Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten auf nichtansässige Landbesitzer übertragen. Mit Eröffnung der neuen Straßen ins Hinterland wurden die Ländereien gerodet und für den Anbau oder als Weideland genutzt. Für die Nutzbarmachung des Landes benötigt man sehr viele Arbeiter, doch danach besteht kein Bedarf mehr an ihren Diensten. Nach drei oder vier Jahren müssen sie weiterziehen. Anders als die nordamerikanischen Heimstättensiedler haben die brasilianischen Pioniere selten Anteil an dem Land, das sie gerodet haben.

Die reichen Landbesitzer sind schon seit Kolonialzeiten ein fester Bestandteil der brasilianischen Gesellschaft, auch wenn die ehemaligen Sklaven von den Pachtbauern abgelöst wurden. Der Durchschnittsbauer arbeitet immer noch auf dem Land eines anderen und lebt in einer einfachen Hütte aus Ziegeln und Stroh auf einem kleinen Flecken Land, das ihm vom Landbesitzer zur Verfügung gestellt wird. Auf diesem Land kann er einen Teil seines Eigenbedarfs anpflanzen - wahrscheinlich sind das Mais, Maniok, Bananen und Papaya - und ein paar Hühner halten. Im Gegenzug zu diesem Privileg muß der Pächter gegen nur geringen Lohn viele Stunden auf den Plantagen arbeiten.

Zu diesem System gibt es Variationen. Falls das Land der Regierung gehört, wie es in offiziellen Kolonisierungsprojekten entlang einiger der neuen Autobahnen und Bewässerungsprojekte im Nordosten der Fall ist, besitzt der Pächter ein größeres Stück Land, das er bearbeiten kann, und bezahlt für dessen Nutzung eine Pacht. Der Pächter auf einer mechanisierten Farm bekommt wahrscheinlich etwas mehr Geld und kann etwas besser leben. Mechanisierung bedeutet jedoch in der Regel, daß viele Pächter sowohl ihr Land als auch die Grundlage zu ihrem Lebensunterhalt verlieren. Einige Plantagen, vor allem die mit Ernten wie Kaffee, die das ganze Jahr über versorgt werden müssen, arbeiten lieber auf der Basis von Farmpächtern. Dabei wird dem Farmer ein Teil des Landes zur Betreuung verpachtet, und er erhält einen Teil der Einnahmen aus der Ernte. Je größer eine Familie ist, desto mehr Land kann sie bearbeiten und desto mehr kann sie verdienen. So wird natürlich die hohe Geburtenrate auf dem Land gefördert.

Das reine Ausmaß der Landwirtschaft, in der fast ein Drittel der berufstätigen Brasilianer arbeitet, und die Mechanisierung bestimmter Anbauflächen führt zu einer eindrucksvollen Produktionsmenge. Brasilien steht bei der Produktion von Kaffee, Zuckerrohr, Maniok, Bananen und Sisal weltweit an erster Stelle. In der westlichen Hemisphäre ist es der führende Erzeuger von Reis und Hülsenfrüchten (Bohnen, Erbsen und Linsen). Es steht weltweit an zweiter Stelle bei der Produktion von Orangen, Kakao und Sojabohnen, und an dritter bei der Produktion von schwarzem Pfeffer und Mais und bei der Größe seiner Rinder- und Schweineherden. Obwohl ein Großteil dieser Produktionsmengen im eigenen Land verbraucht wird, stammt fast die Hälfte vom Wert des brasilianischen Exports aus landwirtschaftlichen Erzeugnissen, vor allem Kaffee, Kakao, Sojabohnen, schwarzem Pfeffer, Orangen und Fleischkonserven. Verschiedene Öle, Wachse und Fasern werden in den Palmenhainen im Nordosten erzeugt und ebenfalls exportiert. Ein anderes Exportgut sind Cashewnüsse aus derselben Gegend und Paranüsse, die vom Amazonas kommen. Auch Wein wird in geringen Mengen von den Weinbergen im Süden ins Ausland versandt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Nützliche Links: klick

       Copyright © 2000-2012 www.rio-grande-do-sul.com